Vor genau einem halben Jahr saß ich noch da und staunte über ChatGPT, das plötzlich viel bessere Bilder als bisher aus Worten zaubern konnte und dabei beeindruckend genau die Vorgaben im Prompt beachtete. Was folgte war eine beispiellose Flut an Bild-Generierungen. Sam Altman, Chef von Open AI (dem Unternehmen hinter ChatGPT), sagte dazu scherzhaft, dass die Nutzer die Grafikchips der ChatGPT-Server zum Schmelzen brachten.
Heute, nur 6 Monate später, reden wir nicht mehr über Spielzeug, sondern über Werkzeuge, die ernstzunehmende Konkurrenz für Photoshop, Illustrator und Co. sind. Willkommen in der nächsten Generation der KI-Bildgeneratoren, die immer häufiger auch von Profis für kreative Arbeit oder für schneller Bild-Edits verwendet werden.
Die beiden Stars, um die es heute geht, hören auf so charmante Namen wie Nano Banana (Googles Gemini-Bildmodell) und Seedream 4.0 (von ByteDance, den TikTok-Machern). Beide machen Bilder. Beide können bearbeiten, verändern, verbessern. Aber sie tun es auf sehr unterschiedliche Weise. Was die beiden eint: Sie können endlich, was früher KI-Kunst so schwer machte:
Und das alles in wenigen Sekunden. Ohne Grafikstudium. Ohne Maus. Nur mit Worten. Wow.
Nano Banana klingt wie ein Kinderjoghurt, ist aber ein ziemlich erwachsenes Tool. Direkt in Googles Gemini-System integriert (früher "Bard"), punktet es mit realistischen Bildern, extrem präzisem Prompt-Verständnis und einer bemerkenswerten Eigenschaft: Es merkt sich Gesichter.
Wer also Storyboards zeichnet, Serienfiguren entwirft oder für einen Kunden zehn Varianten eines Produktbilds braucht, bekommt mit Nano Banana eine zuverlässige KI an die Seite gestellt. Auch Bildbearbeitungen (z.B. aus einem Foto einen neuen Hintergrund zaubern) funktionieren tadellos. Besonders stark: Nano Banana verändert nur das, was geändert werden soll. Alles andere bleibt wie im Original. Photoshop-Fans jubeln, Neulinge verstehen's sofort.
Was es (noch) nicht kann: 4K-Ausgabe. Und Texte sind so eine Sache: Manchmal steht da statt "OPEN" eben "OƿEN".
Seedream klingt wie ein Romantik-Film aus den 90ern, ist aber das genaue Gegenteil: Es ist das Tool für künstlerische Visionen, surreale Cyber-Welten, leuchtende Farbexplosionen. Die Bilder sind riesig (bis 4K), der Stil oft eigenwillig. Aber genau das ist seine Stärke: Seedream liefert Augenschmaus mit Fantasie.
Was man bekommt, sind gleich mehrere Varianten pro Prompt, meist sehr stimmungsvoll, manchmal leicht überraschend ("Ich wollte eine Küche, nicht den Palast von Versailles, danke."). Es kann auch Text verändern (z. B. Plakate umbeschriften), aber manchmal gehen dabei Umlaute flöten. Und Gesichter? Nun ja, die sehen manchmal auf jedem Bild ein bisschen anders aus.
Nano oder Seedream? Wann man was nehmen sollte:
| Anwendungsfall | Empfehlung |
|---|---|
| Business, Produktbilder, Werbung | Nano Banana (sachlich, konsistent, realistisch) |
| Brainstorming, kreative Ideen, Stilvielfalt | Seedream 4.0 (4K, mehrere Varianten, WOW-Effekt) |
| Comics, Storyboards, Seriencontent | Nano Banana (gleichbleibende Charaktere) |
| Logo-Ideen, Artworks, Moodboards | Seedream (künstlerische Vielfalt, viele Looks) |
| Schnelle Fotoretusche, Realfotos bearbeiten | Nano Banana (unauffällige Änderungen) |
| Magazincover, Poster, Druck in XXL | Seedream (4K ist Trumpf!) |
Praxisbeispiele: Was beide wirklich draufhaben
Wir haben beide Tools losgeschickt, um fünf typische Aufgaben zu lösen. Ergebnis? Beide liefern – aber unterschiedlich:
1. Porträtfoto in verschiedenen Szenen: Nano Banana bleibt beim selben Gesicht. Seedream variiert einbisschen und ist experimentierfreudiger. Nano Banana scheint die Logik der Situation besser zu erfassen, während Seedream unseren Dr. Buzz mit Office-Outfit in den Pool steckt und gelegentlich die Proportionen nicht völlig korrekt hinbekommt.
2. Eine Person + Outfit: Wir geben dem Modell 4 Bilder (Portrait und Outfit) und es soll die Person mit den Outfit-Elementen ausstatten. Hierbei versagt Nano Banana, denn es verändert das Gesicht, während Seedream 4.0 es sofort auf den Punkt bringt.
Nano Banana ändert bei mehreren Referenzbildern Bildern das Gesicht der Person, wie du oben sehen kannst. Wenn du aber schrittweise vorgehst, dann klappt das auch mit diesem Modell gut.
Und der letzte Schritt ist noch, die Szene in eine Bildergalerie zu setzen:
3. Produktbild (Shampoo) erstellen
4. Produktbild in verschiedenen Szenen:
Die gute Nachricht: Du musst dich gar nicht entscheiden. Wer heute KI-Bilder erstellt, sollte beide Tools im Repertoire haben. Nano Banana ist der verlässliche Partner für klare Vorgaben – bringt als Nachteil aber die (noch) geringe Auflösung mit. Seedream ist mutiger und liefert manchmal mehr, als man sich vorstellen konnte. Dass die Kreativität manchmal etwas an der Wunschvorstellung vorbeigeht, wird durch die hohe Auflösung mehr als wettgemacht.
Du hast zwei neue KI-Pinsel bekommen. Jetzt liegt es an dir, was du daraus machst.

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