POV: Dein Hausarzt ist kein granteliger Kittelträger mit Klemmbrett, sondern ein freundlicher geduldiger Daten-Ninja. Einer, der deine Blutwerte, dein Bewegungsprofil, deinen Schlaf und deine Gene kennt. Und trotzdem wird das nicht zur „Überwachung“ eingesetzt, sondern es ist einfach gute KI-gestützte Medizin.
Genau in diese Richtung zeigt die Arbeit von Zukunftsforschern wie Sven Gábor Jánszky und seinen Kollegen. Und keine Sorge: Die sitzen nicht im Keller vor einer Glaskugel.
Die beste Möglichkeit, die Zukunft vorherzusagen ist es, sie selbst zu gestalten. Und die zweitbeste Möglichkeit ist, mit denjenigen Menschen zu sprechen, die das jetzt schon tun: die Strategiechefs großer Tech- und KI-Firmen, Mediziner, Pharmakonzerne, Gesundheitsministerien – in langen Gesprächen und mehreren Runden. Aus all diesen Einschätzungen entsteht ein „wahrscheinlichstes Zukunftsbild“. Kurz gesagt: weniger Bauchgefühl, mehr Methode.
Von der Reparaturmedizin zur Vorher-Medizin
Unser aktuelles System funktioniert so: Erst wenn etwas richtig wehtut, gehen wir zum Arzt. Dann wird repariert und operiert, oft unter großem Zeitdruck. KI dreht diese Logik langsam um.
Wenn Algorithmen Millionen Datensätze aus Klinik, Forschung und Alltag auswerten, erkennen sie Muster, die für uns unsichtbar sind: minimale Veränderungen im Blutbild, winzige Auffälligkeiten im Herzrhythmus, Verläufe über Jahre. Aus „Sie sind gesund, bis das Gegenteil bewiesen ist“ wird „Wir sehen, dass da in sechs, sieben Jahren etwas kippen könnte und drehen jetzt schon an den Stellschrauben“.
Das ist der eigentliche Paradigmenwechsel: KI macht Medizin nicht nur genauer, sondern viel früher.
120 Jahre – aber bitte fit
In seinen Vorträgen spricht Jánszky gern über eine ziemlich steile These: Für die Generation unserer Kinder ist es statistisch gar nicht so unwahrscheinlich, 100 oder auch 120 Jahre alt zu werden. Entscheidend ist aber nicht die Zahl auf der Torte, sondern die Jahre, in denen wir wirklich leben – also gehen, denken, lachen, lieben – statt nur verwaltet zu werden.
Hier kommt „Longevity“ (Langlebigkeit) ins Spiel: die Idee, nicht nur das Leben zu verlängern, sondern die gesunden Jahre auszudehnen. Und genau da wird KI zur Schlüsseltechnologie.
So kann das aussehen:
- Dein Fitness-Tracker ist kein Kalorienzähler mehr, sondern ein Frühwarnsystem für Herz, Stoffwechsel und Schlaf.
- Eine KI gleicht deine Daten permanent mit Millionen anderen ab und erkennt Muster, bevor ein Arzt überhaupt einen Verdacht hätte.
- Therapien und Medikamente werden nicht mehr nach Durchschnittswerten dosiert, sondern nach deinem persönlichen Profil.
Sven Gábor Jánszky blickt regelmäßig in die Zukunft, nicht als Prophet, sondern als Wissenschaftler. Als Zukunftsforscher hat der Chairman & Geschäftsführer des 2b AHEAD ThinkTank (Leipzig), das größte unabhängige Zukunftsforschungsinstitut Europas, tiefe Einblicke in die Entwicklung unterschiedlichster Branchen. Jánszky erforscht Zukunft nicht nur, er hilft Unternehmen auch, ihre eigene zu gestalten. Wer könnte KI-BUZZER-Leserinnen und -Lesern besser einen Einblick in die nahe und mittelfristige Zukunft geben?
Du musst dafür nicht zum Biohacking-Guru werden. Es reicht, dass Medizin und KI anfangen, dich als Individuum ernst zu nehmen – mit all deinen Daten, aber auch mit deinen Grenzen.
Was das ganz konkret für dich bedeutet
Lass uns einmal annehmen, du bist irgendwo zwischen 35 und 60, hast besseres zu tun als Gesundheitsratgeber zu lesen, möchtest aber bitteschön die nächste Generation nie wieder sagen hören: „Papa, du hättest ja auch besser auf dich aufpassen können.“
Drei praktische Gedanken für deinen Alltag:
- Daten sind nicht nur Futter für Konzerne. Sie können auch dein persönlicher Airbag sein. Wearables (tragbare elektronische Geräte, die am Körper getragen werden und Daten sammeln können), regelmäßige Check-ups, Apps – ja, das ist manchmal nervig. Aber in Kombination mit guter KI können sie dir Jahre schenken, in denen du nicht jede Treppe fluchend hochkletterst.
- Prävention wird zur Hauptrolle. Wenn Ärztinnen und Ärzte mit KI-Unterstützung arbeiten, wird das Gespräch sich langsam verändern: weniger „Sie haben da was“ und mehr „Wir sehen, dass sich da etwas entwickeln könnte. Wollen wir jetzt gemeinsam gegensteuern?“.
- Lebensstil bleibt nicht verhandelbar. KI nimmt dir keine Entscheidung ab. Sie legt sie dir nur deutlicher auf den Tisch. Ob du dann mehr schläfst, anders isst oder dich endlich bewegst, ist immer noch dein Job.
Und was hat das mit KI-BUZZER Heft 6 zu tun?
Im Interview in der 6. KI-BUZZER Ausgabe erzählt Jánszky von digitalen Mitbewohnern und digitaler Selbstverewigung, von humanoiden Robotern als Haushaltshilfen und von einer Arbeitswelt, in der KI uns Routinekram abnimmt und mehr Zeit für das Menschliche lässt.
Wenn du neugierig bist, wie sich unser Alltag mit KI konkret verändern wird – vom Badezimmer bis zur Rente – dann lohnt sich für dich die neue KI-BUZZER Ausgabe Nr. 6. Dort gehen wir mit ihm tiefer rein in Themen wie Arbeitszeitverkürzung, Grundeinkommen, neue Jobs rund um Menschlichkeit und die Frage, ob Europa bei KI gerade freiwillig auf der Ersatzbank sitzt.
Dein nächster Schritt in die Zukunft
Wenn du Lust bekommen hast, dein eigenes Zukunftsbild zu bauen, statt nur Schlagzeilen zu konsumieren, dann gibt es zwei einfache ToDos:
- Hol dir KI-BUZZER Heft 6 (Print oder Digital), wenn du das Interview noch nicht gelesen hast. Es ist die ausführliche Bühne für Jánszkys Gedanken zur KI-Zukunft – weit über die Medizin hinaus.
- Schnapp dir Jánszkys Buch „2030 – Dein Weg zum Zukunfts-ICH“. Das Buch ist eine Mischung aus Roman über eine Familie im Jahr 2030 und Handbuch, das erklärt, wie diese Zukunftsbilder entstehen und was du daraus für dich ziehen kannst. Aktuell kannst du es als Gratis-Buch (du zahlst nur den Versand) bestellen – den Link findest du zum Beispiel unter https://2030.janszky.de/.
Vielleicht die wichtigste Botschaft:
Die Zukunft mit KI ist nichts, das „irgendwo da draußen“ passiert. Sie entsteht auch in deinen Entscheidungen heute – ob du deine Gesundheit dem Zufall überlässt oder anfängst, mit ihr zu verhandeln.
120 Jahre müssen es nicht werden. Aber 100, gesund und mit gutem WLAN, das ist ein Ziel, auf das man doch ganz entspannt hinarbeiten kann.
Highlights
- Zukunftsforschung arbeitet mit systematischen Interviews, nicht mit Glaskugeln.
- KI verschiebt Medizin von „reparieren“ zu „früh erkennen und vorbeugen“.
- Longevity zielt darauf, die gesunden Jahre zu verlängern, nicht nur das chronologische Alter.
- Wearables, Gesundheitsdaten und KI können zu einem persönlichen Frühwarnsystem werden.
- Entscheidungen über Lebensstil bleiben menschlich, KI macht ihre Folgen nur sichtbarer.
- Komplettes KI-BUZZER-Interview mit Sven Gábor Jánszky in Ausgabe Nr. 6
- Jánszkys Buch „2030 – Dein Weg zum Zukunfts-ICH“ verbindet Zukunftsszenarien mit konkreten Lebensentscheidungen.