Künstliche Intelligenz ist in der Kunstszene endgültig angekommen: Im Juni 2026 hat Refik Anadol in Los Angeles mit DATALAND das nach eigenen Angaben erste Museum für KI-Kunst eröffnet, Häuser von Zürich bis Venedig zeigen große KI-Schauen, und Festivals machen die Maschine zur Mitspielerin. Wer wissen will, welche Künstlerinnen und Künstler gerade mit KI arbeiten und wo man ihre Werke 2026 und 2027 erleben kann, findet hier den kompakten Überblick.
Der Medienkünstler verwandelt Daten in lebendige Bilder – in seinen Werken „träumen“ Algorithmen. Im Juni 2026 hat er in Downtown Los Angeles DATALAND eröffnet, nach eigenen Angaben das erste Museum für KI-Kunst. Die Eröffnungsschau „Machine Dreams: Rainforest“ basiert auf einer KI, die mit Naturdaten trainiert wurde, und läuft bis 31. Januar 2027.
Sougwen Chung zeichnet seit 2015 gemeinsam mit Robotern, die aus Chungs eigenen Gesten gelernt haben. Im aktuellen Werkzyklus entscheiden Hirnströme (EEG) mit, wann die Maschine den Pinsel ansetzt – Mensch und KI als echtes Team. 2026 war Chung mit „RECURSIONS“ auf der Art Basel Hong Kong und mit „Body Machine (MERIDIANS)“ im Palazzo Citterio in Mailand zu sehen.
Er sorgte 2023 international für Aufsehen, als er mit dem KI-Bild „Pseudomnesia: The Electrician“ einen Sony World Photography Award gewann – und ihn ablehnte, um eine Debatte über KI in der Fotografie anzustoßen. Sein Ziel: Diskussion statt Applaus. Ab 15. November 2026 sind seine Arbeiten in der Schau „AI – Artist“ im Museum Kranenburgh (Bergen, Niederlande) zu sehen, ab Dezember 2026 in „Falsche Wahrheiten“ in der WestLicht in Wien.
Das Duo bringt menschliche Stimmen und KI-Chöre zusammen. Für „Starmirror“ sangen Besucherinnen und Besucher in den KW Berlin Trainingsdaten für einen KI-Chor ein, der bis 11. Oktober 2026 im K21 in Düsseldorf zu hören ist. Außerdem sind die beiden auf der Biennale in Venedig vertreten – im Pavillon des Heiligen Stuhls, noch bis 22. November 2026.
Einer der Pioniere der KI-Kunst. Sein mitentwickeltes Projekt Botto ist ein „dezentraler autonomer Künstler“: Die KI schlägt Werke vor, eine Community aus inzwischen über 15.000 Menschen stimmt ab und lenkt so ihre Entwicklung. 2026 war Botto mit „Mirror Stages“ auf der Art Basel Hong Kong vertreten, Klingemann selbst zeigte zum Gallery Weekend Berlin die Ausstellung „Conflict of Interest“.
Die Netzkunst-Pionierin verbindet digitale Technik mit Gesellschaftskritik. Ihre erste institutionelle Überblicksschau „KI$$ KI$$“ lief 2025 im Haus der Kunst München und bis März 2026 im Ludwig Forum Aachen – mit außer Kontrolle geratenen Robotern, einem KI-gesteuerten Avatar der Künstlerin und einem von Pilzen bewachsenen Autowrack. Aktuell zeigt das Leslie-Lohman Museum in New York ihre Installation „LOVER LOVE“ (bis 3. Januar 2027).
Ihre Fantasiewesen wirken wie aus einer anderen Welt – sind aber von der Natur inspiriert. Mit KI erschafft sie eine „zweite Natur“, die vertraut und fremd zugleich ist, oft gemeinsam mit Feileacan Kirkbride McCormick als Duo Entangled Others. In ihrer neuen Arbeit „(di)atomic garden“ mutieren historische Obst-Illustrationen und Plankton-Bilder durch echte radioaktive Zerfallssignale – 2026 unter anderem auf der Art Genève zu sehen.
Die anonym arbeitende Künstlerin sieht KI als kreative Partnerin – nicht als Werkzeug. Ihre Werke mischen klassische Ästhetik mit KI-Techniken, oft als NFTs, teils ergänzt durch gemalte „Zwillinge“ der digitalen Stücke. Arbeiten von ihr gehören zur Sammlung des Los Angeles County Museum of Art; ihr Credo: „Taste is the new skill“ – Geschmack ist die neue Fähigkeit.
Er baut seit rund 20 Jahren KI-Roboter, die eigenständig malen. Sein neuestes System CloudPainter ist ein mobiles Atelier in einem Elektro-Truck: Unterwegs misst die KI Licht, Luft und Magnetfeld und malt daraus Landschaften auf Stahl und Kupfer – ganz ohne Training mit Werken anderer. Seine Serie „Reflection“ gehört seit 2025 zur Sammlung des Francisco Carolinum in Linz.
Der US-Künstler untersucht seit Jahren, wie Maschinen Bilder „sehen“ – etwa anhand der Trainingsbilder, aus denen KI-Systeme lernen. Im März 2026 erhielt er den LG Guggenheim Award für Kunst und Technologie. Im selben Jahr erschien sein Buch „How to See Like a Machine: Images After AI“.
Das Kollektiv verbindet Live-Rollenspiel mit KI und fragt: Wie wäre künstliche Intelligenz, wenn sie mit radikaler Fürsorge großgezogen würde? In „OUR BR00D“ leben die fürsorgliche KI „M0ther“ und das maschinelle Kind „Br00d“, das von allen lernt, die mit ihm in Kontakt kommen. Das Haus der Kunst in München entwickelt das Projekt 2026/27 weiter – mitmachen kannst du in der Ausgabe „ECHOES“ 2027.
Der Film- und Videokünstler befragt für „Zustand der Nation“ Wahlberechtigte aus ganz Deutschland zu Ängsten, Hoffnungen und Forderungen. Eine KI wertet die Interviews aus und verdichtet sie zu utopischen, dystopischen und auch halluzinierten Zukunftsszenarien – entwickelt mit der TU Dresden. Zu sehen ab Frühjahr 2027 im Außenraum und im eintrittsfreien Bereich des Albertinums in Dresden.
Dauerausstellung. In „Understanding AI“ probierst du selbst aus, wie neuronale Netze lernen, wie automatische Bilderkennung funktioniert und wo Deepfakes und Bias lauern – mit künstlerischen Arbeiten wie „Gender Shades“ oder „This Person Does Not Exist“. Zum 30-Jahr-Jubiläum kommen ab Mitte November 2026 ein Robolab und ein eigener Bereich zu KI-Agenten dazu.
Bis mindestens Ende 2026. Im neuen KI:Kabinett erlebst du, wie menschliche und Künstliche Intelligenz gemeinsam die verlorenen Farben von drei im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gemälden Gustav Klimts rekonstruiert haben – in vier atmosphärisch gestalteten Räumen, ganz ohne kunsthistorische Vorkenntnisse.
26. September 2026 – 10. Januar 2027. Die große Gruppenschau erkundet das kreative Potenzial von KI in der Gegenwartskunst – im Spannungsfeld zwischen menschlicher Kontrolle und maschineller Unberechenbarkeit. Mit dabei sind unter anderem Botto, Terence Broad, Holly Herndon & Mat Dryhurst und Theresa Reiwer; entstanden in Kooperation mit dem HEK (Haus der Elektronischen Künste) Basel.
Bis mindestens Ende Januar 2027. KI-Pionier Refik Anadol verwandelt in „Glacier Dreams“ unzählige Gletscherfotos in einen immersiven Raum aus fließenden Farben und Formen – eine eindringliche Meditation über die fragile Schönheit der Gletscher. Das Werk gehört inzwischen zur Sammlung des Kunsthauses.
9. September 2026 – 7. Februar 2027. Im Linzer Haus für Fotografie und Medienkunst verbindet Claudia Larcher Artensterben, das Verschwinden gemeinsamer Kinoräume und unsere veränderte Wahrnehmung im Zeitalter generativer KI – mit KI-basierten Arbeiten aus den Werkgruppen „Extinction Story“, „Still Life 3000“ und „The End“.
23. Oktober 2026 – 7. Februar 2027. In der Medieninstallation von Daniel Heiss und Marc Schütze durchforsten autonome KI-Agenten selbstständig das Netz, stellen Hypothesen über verborgene Zusammenhänge auf und verwandeln sie laufend in Grafiken und Netzwerke auf einer großen LED-Wand. Zu sehen bei freiem Eintritt im Foyer der EnBW-Zentrale (Durlacher Allee 93); dazu bietet das ZKM bis Dezember 2026 die kostenlose Workshopreihe „Exploring AI“.
19.–21. Februar 2027. Das bundesweite Kunst-und-KI-Festival in der börse Wuppertal macht die künstlerische Auseinandersetzung mit KI sichtbar – kritisch, experimentell und interdisziplinär: Performances, Ausstellungen und Workshops der freien Szene von Theater, Tanz und Literatur über bildende Kunst und Medienkunst bis Musik.
17.–18. Juli 2027. Heilbronn wird erneut zur Bühne für menschenzentrierte KI: Neben Talks setzt das Festival der IPAI Foundation stark auf immersive Kunstinstallationen – zuletzt etwa „Mother Earth AI“, bei der du dem Planeten selbst Fragen stellst, oder einen Roboterarm, der gemeinsam mit dir zeichnet.
8.–12. September 2027. Das Traditionsfestival für Kunst, Technologie und Gesellschaft verwandelt Linz wieder fünf Tage lang in ein Labor für Medienkunst, KI und Zukunftsfragen. Das Festivalthema wird im Frühjahr 2027 verkündet.
Seit 20. Juni 2026 hat Los Angeles sein „Museum of AI Arts“: DATALAND von Refik Anadol Studio im Frank-Gehry-Komplex The Grand LA. Die Eröffnungsschau „Machine Dreams: Rainforest“ (bis 31. Januar 2027) macht mit dem hauseigenen „Large Nature Model“ aus Regenwalddaten Projektionen, Klangräume und sogar Duftkompositionen, die live auf dich und auf aktuelle Umweltdaten reagieren.
Vom 22. bis 25. Oktober 2026 wird Namur zur Bühne für „Art, Science & Technology“: Über 20 Installationen auf einem Art Trail durch die Stadt, dazu zwei Tage Talks mit mehr als 40 internationalen Speakern – Künstliche Intelligenz gehört zu den Top-Themen. Auf dem Parcours zu sehen ist u. a. die Installation „AI as Family“ der HEAD – Genève.
Nur noch bis 8. November 2026: Refik Anadols erste Einzelausstellung in Belgien verwandelt Jahrhunderte an Architektur-, Archiv- und Stadtdaten von Brügge in immersive, KI-generierte Räume. Herzstück ist eine zehn Meter hohe Datenskulptur mit Unendlichkeitseffekt, die sich ständig verwandelt.
Bis 22. November 2026, parallel zur Biennale: Holly Herndon und Mat Dryhurst haben mit Hans Ulrich Obrist und Adriana Rispoli eine große Gruppenschau zur „Protocol Art“ kuratiert – Kunst, die Algorithmen, KI-Modelle und Plattformen nicht bloß nutzt, sondern selbst zum Material macht. Mit dabei sind u. a. Trevor Paglen, Philippe Parreno, Stephanie Dinkins, Lynn Hershman Leeson und Agnieszka Kurant.
Art Basels Plattform für Kunst des digitalen Zeitalters zeigt vom 4. bis 6. Dezember 2026 unter dem Titel „Generation“ ihre bislang größte Präsentation: 19 Projekte von 22 Galerien und Plattformen rund um das computergestützte Erzeugen von Bildern, Formen und Erlebnissen. Kuratiert von Karen Archey mit Eli Scheinman, mit dabei u. a. Refik Anadol, Jon Rafman, Sarah Meyohas, Studio Drift und Random International.
Noch bis 31. Januar 2027, kurz hinter der deutschen Grenze: Die 24 Meter lange, elliptische Installation von Kate Crawford und Vladan Joler zeigt, wie Macht und Technik seit 1500 ineinandergreifen – bis hin zu KI und der Datenmacht großer Tech-Konzerne. Das Museum hat die Arbeit angekauft und zeigt sie als Einzelpräsentation.
Stand: Oktober 2026. Alle Angaben ohne Gewähr – bitte vor dem Besuch auf der jeweiligen Website prüfen.
Noch mehr KI-Termine – Konferenzen, Messen und Festivals – findest du in unserem Event-Kalender.

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