Text:  Meike Melanšek  •   Veröffentlicht: 25.03.2026 16:26   •   Lesedauer: 4,5 Min.

OpenAI zieht bei Sora den Stecker

Warum das Aus so überraschend kommt und was Nutzer jetzt tun sollten

Weltweit betrauern Anhänger das Aus von Sora. Andere feiern:
Weltweit betrauern Anhänger das Aus von Sora. Andere feiern: "Ein Tool weniger für AI-Slop ..."
Mit diesem Post gibt OpenAI der Community das Sora-Aus bekannt.
Mit diesem Post gibt OpenAI der Community das Sora-Aus bekannt.

Am Montagabend arbeiteten die Teams von Disney und OpenAI noch gemeinsam an einem Sora-Projekt. Rund 30 Minuten später erfuhr das Disney-Team, dass Sora eingestellt wird. „It was a big rug-pull“ – man habe ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen, so eine mit der Sache vertraute Person. Selbst Teile des Sora-Teams bei OpenAI wurden erst am Dienstagmorgen informiert und waren überrascht. So abrupt kann es in der KI-Branche zugehen.

Dabei sah noch vor wenigen Tagen alles eher nach Ausbau als nach Abschied aus. Sora 2 und die Sora-App waren erst am 30. September 2025 mit großem Anspruch gestartet. Kurz vor dem Aus führte OpenAI noch einen Editor für Sora auf iOS und im Web ein, Android sollte folgen. Und nur einen Tag vor der Ankündigung erschien sogar noch ein frischer Sicherheitsbeitrag zu Sora. Umso härter kam dann die Kehrtwende: Am 24. März verabschiedete sich der offizielle Sora-Account auf X von der App.

Was genau eingestellt wird

Anders als es die erste Stunde nach der Ankündigung vermuten ließ, geht das Aus deutlich über die sichtbare App hinaus. OpenAI bestätigte, dass Sora sowohl in der Consumer-App als auch in der API eingestellt wird. Intern kündigte Sam Altman außerdem das Ende der Sora-basierten Videogenerierung in ChatGPT an. Wer also gehofft hatte, dass wenigstens die API oder die ChatGPT-Integration weiterläuft: Daraus wird nach aktuellem Stand nichts. OpenAI selbst kündigte an, weitere Informationen zu Zeitplänen, App, API und zum Erhalt bestehender Nutzerwerke erst noch nachzureichen.

Warum gerade jetzt?

Warum OpenAI Sora stoppt, wurde nicht in einem einzigen offiziellen Satz erklärt. Das Gesamtbild ist trotzdem ziemlich klar: Sora verschlang erhebliche Rechenressourcen, andere Teams mussten intern offenbar zurückstecken. In einer internen Mitteilung formulierte es Fidji Simo, OpenAIs Chefin für Applikationen, so: Man habe sich auf zu viele Apps und Stacks verteilt, und diese Fragmentierung habe das Tempo und die Qualitätsansprüche gebremst.

OpenAI richtet seinen Fokus jetzt stärker auf Coding, Firmenkunden, Robotik und AGI. Das Unternehmen arbeitet an einer „Super-App“, die ChatGPT, das Codex-Coding-Tool und den Atlas-Webbrowser zusammenführen soll. Dazu kommt ein weiterer Faktor: OpenAI bereitet einen Börsengang vor, der noch in diesem Jahr kommen könnte. Kosten senken und das Produktportfolio straffen gehört da zum Pflichtprogramm. In diesem Licht wirkt Sora weniger wie ein technisches Scheitern und mehr wie ein Projekt, das nicht mehr zur aktuellen Prioritätenliste passte.

Der Disney-Deal, der keiner mehr ist

Auch die Disney-Geschichte gehört in diese Einordnung. Der geplante Deal war groß: Über 200 Figuren aus dem Disney-, Marvel-, Pixar- und Star-Wars-Universum sollten für Sora nutzbar werden. Disney wollte dafür 1 Milliarde US-Dollar in OpenAI investieren – allerdings wurde die Transaktion nie abgeschlossen und es floss kein Geld. Disney kommentierte diplomatisch, man respektiere OpenAIs Entscheidung, das Videogeschäft zu verlassen, und werde weiterhin mit KI-Plattformen zusammenarbeiten.

Gibt OpenAI Video für immer auf?

So absolut würde ich es noch nicht formulieren. OpenAI hat erklärt, man steige nicht grundsätzlich aus dem KI-Videobereich aus. Das Sora-Research-Team werde sich weiter auf Weltsimulationsforschung konzentrieren, um Robotik voranzubringen. Derzeit sieht es aber klar danach aus, dass Video als eigenständiges Produkt bei OpenAI keine Priorität mehr hat und der bisherige Sora-Weg endet. Ob später einmal ein anderer Ansatz zurückkommt, stärker integriert oder unter anderem Namen, bleibt offen. Im Moment ist nur klar: Wer auf Sora gesetzt hat, sollte jetzt handeln.

Was Nutzer jetzt tun sollten

Wer Inhalte in Sora hat, sollte jetzt nicht auf eine finale Frist warten, sondern sofort handeln. Wie genau das geht, haben wir unten im Praxis-Kasten zusammengefasst. Eines vorweg: OpenAI hatte beim Sora-1-Sunset im März bereits angekündigt, dass Inhalte entfernt werden. Noch sind ältere Dateien teilweise abrufbar – aber wie lange, ist unklar. Bei Sora 2 sollte man es nicht darauf ankommen lassen.

Was wir daraus lernen

Unterm Strich ist das Sora-Aus ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie schnell sich die KI-Branche drehen kann. Ein Produkt kann mit großem Tamtam starten, technisch beeindrucken, innerhalb von fünf Tagen eine Million Downloads schaffen und trotzdem schon sechs Monate später wieder von der Bildfläche verschwinden. Für alle, die mit KI-Tools arbeiten, ist das eine wichtige Lektion: Werke regelmäßig sichern, sich nicht von einem einzelnen Anbieter abhängig machen und offizielle Hinweise im Blick behalten. Denn Hoffnung ist in dieser Branche ein schlechter Backup-Plan.

Praxis-Tipp: So sicherst du deine Sora-Inhalte (Stand: 25. März 2026)

Ein finales Abschaltdatum gibt es noch nicht – aber warte nicht darauf. Wir empfehlen dringend, jetzt zu handeln.

Schritt 1: Die wichtigsten Sachen einzeln sichern

Gehe auf sora.com und öffne deine Bibliothek. Fahre mit der Maus über ein Video oder Bild, klicke auf die drei Punkte (…) und wähle „Download“. Das funktioniert sofort als MP4 bzw. Bilddatei. Arbeite die Sachen durch, die dir am wichtigsten sind.

Schritt 2: Komplett-Export anstoßen

Für den Komplett-Export gehe auf sora.com, klicke unten rechts auf die drei Punkte (…) → Settings → Data Controls → Export data und bestätige. Die Vorbereitung deines Downloads kann einige Stunden dauern. Du wirst per E-Mail benachrichtigt, wenn er fertig ist. Wichtig: Dieser Export enthält alle Kontodaten, nicht nur Sora-Inhalte.

Unser Tipp: Mach beides. Erst die Highlights einzeln runterladen, dann den Komplett-Export hinterherschieben. So bist du auf der sicheren Seite.

Falls der Export nicht klappt oder Dateien fehlen, kannst du zusätzlich über das OpenAI Privacy Portal (privacy.openai.com) eine Datenanfrage stellen.

OpenAI hat angekündigt, weitere Details zur Datensicherung nachzuliefern.


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