Im November 2025 haben wir dir die drei großen KI-Assistenten vorgestellt. Seitdem wurden ganze Modellgenerationen in Rente geschickt, eine KI hat gelernt, sich selbst zu klonen, und bei einer anderen taucht plötzlich Werbung im Chat auf. Klingt nach Science-Fiction? Ist aber alles in den letzten zwölf Wochen passiert. Und eine Sache hat sich so grundlegend verändert, dass du deine Lieblings-KI vielleicht nochmal überdenken solltest.
Erinnerst du dich an unseren großen KI-Vergleich aus Heft 6? Da war GPT-4o noch der kreative Liebling vieler Nutzer, Claude galt als eleganter Textpoet und Gemini 3 war gerade frisch erschienen. Das war im November. Vor zwölf Wochen.
Seitdem hat OpenAI gleich mehrere Modelle auf einmal in Rente geschickt – darunter auch den Fan-Favoriten GPT-4o. Google hat seinem Gemini einen „Deep Think“-Modus verpasst, der Matheprofessoren die Tränen in die Augen treibt. Und Anthropic hat Claude so aufgerüstet, dass er jetzt Präsentationen baut, Finanzdaten analysiert und sich langsam zum echten Bürokollegen mausert.
Oh, und eine Kleinigkeit noch: Bei ChatGPT siehst du jetzt möglicherweise Werbung. Ja, wirklich.
Zeit für ein Update. Wir schauen uns an, wo die drei Großen heute stehen und was das konkret für dich bedeutet.
chatgpt.com
Der größte Umbruch bei OpenAI seit Langem: Am 13. Februar 2026 hat ChatGPT radikal aufgeräumt. GPT-4o, GPT-4.1, GPT-5 – alles weg. Was jetzt zählt, heißt GPT-5.2. Ein Modell, zwei Geschmacksrichtungen: „Instant“ für schnelle Alltagsfragen und „Thinking“ für komplexe Aufgaben, bei denen die KI sich Zeit zum Nachdenken nimmt.
Und GPT-5.2 ist tatsächlich gut geworden. OpenAI hat auf die Kritik am Vorgänger gehört: Die Antworten klingen natürlicher, sind weniger übertrieben höflich und kommen schneller auf den Punkt. Beim Schreiben und Programmieren hat GPT-5.2 einen spürbaren Sprung gemacht.
Was ist neu?
Und dann: Die Werbung.
Seit Mitte Februar testet OpenAI Werbung in ChatGPT. Zunächst nur in den USA und nur für Nutzer der kostenlosen Version und des neuen Go-Tarifs. Die Anzeigen erscheinen am Ende der Antworten, klar als „Gesponsert“ gekennzeichnet. OpenAI betont, dass die KI-Antworten selbst davon unbeeinflusst bleiben. Wer Plus, Pro oder ein Business-Abo hat, bleibt verschont.
Klingt harmlos? Vielleicht. Aber es verändert die Dynamik. Wenn ein KI-Assistent durch Werbung Geld verdient, stellt sich irgendwann die Frage: Empfiehlt er mir das beste Produkt oder das, für das jemand bezahlt hat? OpenAI sagt: Niemals! Aber der Vertrauensvorschuss ist verbraucht, sobald der erste Sponsored-Link unter einer Kaufempfehlung auftaucht. Wann das in Europa kommt? Noch unklar. Aber wundern würde es uns nicht.
gemini.google.com
Google hat Gemini 3 nicht einfach liegen lassen, sondern in den letzten Wochen kräftig nachgelegt. Das größte Update kam am 12. Februar: Ein massives Upgrade für den „Deep Think“-Modus. Das ist Geminis spezieller Denkmodus für richtig harte Nüsse – also Aufgaben, bei denen normale KI-Modelle entweder aufgeben oder selbstbewusst Unsinn erzählen. Wichtig zu wissen: Deep Think gibt es nur im teuersten Tarif „Google AI Ultra“ (249,99 $/Monat). Wer das reguläre „AI Pro“-Abo hat, schaut in die Röhre.
Wie gut ist das? Eine Mathematikerin der Rutgers University ließ Deep Think eine hochspezialisierte Facharbeit prüfen. Die KI fand einen logischen Fehler, der zuvor menschlichen Gutachtern entgangen war. An der Duke University nutzt man Deep Think zur Optimierung von Halbleiter-Materialien. Wir reden hier also nicht mehr über „Schreib mir eine Geburtstagskarte“, sondern über echte Forschung.
Was ist neu?
Und dann ist da noch eine Zahl, die man im Kopf behalten sollte: Geminis Kontextfenster fasst nach wie vor 1 Million Tokens. Das entspricht grob geschätzt 700.000 Wörtern – genug, um komplette Bücher, Vertragspakete oder riesige Datensammlungen auf einmal zu analysieren. In dieser Disziplin liegt Google weiterhin vorn.
Der Haken? Gemini ist nach wie vor am stärksten, wenn du bereits im Google-Ökosystem lebst – Gmail, Google Docs, Google Drive. Wenn du das tust, ist Gemini ein unglaublich praktischer Co-Pilot. Wenn nicht, fehlt dir ein gutes Stück des Mehrwerts.
claude.ai
Und dann Claude. Anthropics KI war bislang vor allem für eines berühmt: wunderschöne Texte. Elegant formuliert, natürlich klingend, weniger „nach Maschine“ als die Konkurrenz. Das kann Claude immer noch. Aber mit der neuen Version Opus 4.6, die am 5. Februar erschien, ist Claude über sich hinausgewachsen.
Der Textpoet hat Büroarbeit gelernt. Claude erstellt jetzt Präsentationen direkt in PowerPoint, analysiert Finanzdaten, durchforstet Verträge und erstellt Tabellen – und das auf einem Niveau, das Branchenexperten beeindruckt. Auf einem Benchmark für wirtschaftlich relevante Wissensarbeit (Finanzen, Recht, Analyse) liegt Opus 4.6 deutlich vor GPT-5.2. In juristischen Tests erreicht er die beste Bewertung aller Claude-Modelle. Das ist nicht mehr „nur“ schön schreiben.
Was ist neu?
Zum Vergleich: Über die Entwickler-Schnittstelle (API) bietet Claude sogar ein Kontextfenster von 1 Million Tokens – das entspricht mehreren Büchern auf einmal. Für Normalnutzer auf claude.ai sind es 200.000 Tokens, was für die allermeisten Aufgaben mehr als ausreichend ist. Gemini bietet die volle Million hingegen direkt in der App für alle.
Und dann hat Anthropic noch etwas gemacht, das in der aktuellen Lage besonders auffällt: Das Unternehmen hat öffentlich erklärt, dass Claude werbefrei bleibt. Keine Anzeigen, keine Sponsored Links, keine Kompromisse. In einer Welt, in der OpenAI gerade mit Werbung experimentiert, ist das ein klares Statement und für viele Nutzer ein echtes Argument.
Noch eine beeindruckende Randnotiz: Anthropic hat im Februar eine Finanzierungsrunde über 30 Milliarden Dollar abgeschlossen. Die Firmenbewertung liegt jetzt bei 380 Milliarden. Für ein Unternehmen, das erst 2021 gegründet wurde, ist das schlicht atemberaubend und zeigt, wie ernst der Markt Claude als Wettbewerber nimmt.
Ausblick: Claude lernt Teamarbeit
Für Entwickler hat Anthropic außerdem ein Feature vorgestellt, das einen Blick in die Zukunft erlaubt: „Agent Teams“. Dabei arbeiten mehrere Claude-Instanzen parallel an einer Aufgabe – einer analysiert, einer prüft, einer schreibt. Noch ist das nur in Claude Code verfügbar, dem Kommandozeilen-Tool für Programmierer. Aber es zeigt die Richtung: In nicht allzu ferner Zukunft wirst du Claude nicht mehr eine Frage stellen, sondern ihm einen ganzen Auftrag geben – und er verteilt die Arbeit selbständig.
Wie immer: kommt drauf an. Aber die Schwerpunkte haben sich seit November verschoben. Hier ist, wofür jede Plattform heute besonders gut geeignet ist:
ChatGPT (GPT-5.2)
Immer noch der vielseitigste Allrounder mit der größten Nutzerbasis. Die Bildgenerierung ist exzellent, die Sprachsteuerung wird immer natürlicher, und das Ökosystem aus Plugins, GPTs und Apps ist konkurrenzlos breit. Wenn du eine KI für alles willst, bleibt ChatGPT die sicherste Wahl. Aber: Augen auf bei der Werbung.
Gemini 3 Pro
Der Analytiker. Unschlagbar bei großen Dokumenten, tief in Google-Dienste integriert und mit Deep Think jetzt auch wissenschaftlich ernst zu nehmen. Ideal, wenn du viel mit Google Docs, Gmail und Drive arbeitest oder regelmäßig große Datenmengen auswerten musst.
Claude Opus 4.6
Der größte Sprung der drei. Claude hat sich vom reinen Textspezialisten zum vielseitigen Arbeitstier entwickelt – mit PowerPoint-Integration, starker Dokumentenanalyse und beeindruckenden Ergebnissen bei professioneller Wissensarbeit. Dazu werbefrei und mit starkem Datenschutzfokus. Wenn dir Qualität und Vertrauen wichtiger sind als das größte Feature-Angebot, ist Claude eine ausgezeichnete Wahl.
Drei Dinge, die du aus diesem Update mitnehmen solltest:
Erstens: Das Tempo ist irre. Was du im November über ChatGPT, Gemini und Claude erfahren hast, stimmt in Teilen schon nicht mehr. Das ist kein Vorwurf an dich – es ist schlicht die Realität einer Branche, die alle drei Monate eine neue Generation hervorbringt.
Zweitens: Die KIs werden nicht nur schlauer, sie werden anders. Der große Trend heißt „Agenten“ – also KIs, die nicht mehr nur antworten, sondern eigenständig Aufgaben erledigen. Bei Claude können Entwickler bereits mehrere KI-Agenten parallel an einem Projekt arbeiten lassen. Noch ist das Zukunftsmusik für Normalnutzer – aber in ein paar Monaten wirst du deiner KI vermutlich nicht mehr sagen „Schreib mir eine E-Mail“, sondern „Kümmere dich um meine Inbox“.
Drittens: Achte auf die Geschäftsmodelle. Werbung in einem KI-Assistenten ist nicht dasselbe wie Werbung auf einer Website. Deine KI kennt deine Gedanken, deine Fragen, deine Probleme. Wer diese Daten für Werbezwecke nutzt, öffnet eine Tür, die sich schwer wieder schließen lässt. Anthropics Entscheidung, bei Claude auf Werbung zu verzichten, mag heute wie ein Marketing-Trick klingen. In zwei Jahren könnte es das wichtigste Unterscheidungsmerkmal sein.
Unser Tipp bleibt: Probiere alle drei in der kostenlosen Version aus, finde heraus, welche KI am besten zu deinem Alltag passt – und scheue dich nicht, zu wechseln, wenn sich etwas Ändert. Bei dem Tempo, das die Branche gerade vorlegt, wird das sicher nicht das letzte Update sein.

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