Du hast den Skills-Artikel in KI-BUZZER Heft #8 gelesen? Nun bauen wir Schritt für Schritt den ersten eigenen Skill mit Claude. Und zwar den aus dem Artikel: den Brief-Skill, der dich beim Schriftverkehr mit Vermieter, Versicherung und Behörde unterstützt. Kein Code, kein Fachchinesisch. Du redest einfach mit Claude, und Claude baut für dich.
Bevor Claude bauen darf, braucht es eine Werkstatt. Die schaltest du einmalig frei: In den Einstellungen unter „Fähigkeiten“ aktivierst du „Codeausführung und Dateierstellung“. Klingt technischer, als es ist: Das ist schlicht der Werkraum, in dem Skills überhaupt erst arbeiten können.

Danach geht es in der linken Seitenleiste auf „Anpassen“ (oder englisch „Customize“) und dort auf „Skills“. Dieser Weg funktioniert in der Browser-Version genauso wie in der Desktop-App. Auf den gängigen Tarifen ist das alles inklusive – mittlerweile auch im kostenlosen Tarif.

Klick auf das Pluszeichen, dann auf „Skill erstellen“. Jetzt hast du die Wahl: Du kannst die Anweisungen selbst schreiben und das Skill-Paket zusammenstellen, du kannst ein bestehendes Skill-Paket hochladen oder du baust den Skill mit Claude zusammen – was wir jetzt tun wollen. Klicke auf „Mit Claude erstellen“. Statt selbst an Dateien zu schrauben, beschreibst du im Gespräch, was du brauchst. Claude stellt Rückfragen und setzt den Skill währenddessen zusammen.
Einen Startsatz kannst du einfach kopieren:
Ich möchte einen Skill bauen, der mir formelle Briefe an Behörden, Versicherungen und meinen Vermieter schreibt. Höflich, aber bestimmt im Ton, mit korrektem Aufbau: Absender, Datum, Betreff, Anrede und bei Bedarf einer Fristsetzung. Und ich möchte meine Word-Vorlage mit meinem Briefkopf verwenden. Hilf mir Schritt für Schritt.
Dann fragt Claude nach: Wie förmlich soll der Ton sein? Sollen Aktenzeichen und Fristen automatisch abgefragt werden? Antworte einfach so, wie du auch einem Menschen die Aufgabe erklären würdest. Du führst hier kein technisches Briefing, du erzählst.
„Ich nutze ChatGPT oder Gemini.“ Kein Problem, das Prinzip ist überall ähnlich. Bei Gemini heißen die kleinen Helfer „Gems“, bei ChatGPT sind es für die meisten weiterhin die „Custom GPTs“ (dazu haben wir einen eigenen Online-Artikel). Wir bauen hier mit Claude, weil der „Mit Claude erstellen“-Weg für den Einstieg besonders bequem ist.
Hier kommt der Trick, an dem viele selbstgebaute Skills scheitern, und kaum jemand weiß davon: Entscheidend ist die kurze Beschreibung, die festlegt, wann Claude den Skill überhaupt hervorholt.
Claude liest zu Beginn jedes Gesprächs nämlich nur diese eine Beschreibung und entscheidet daran, ob dein Skill bei einer Aufgabe zum Einsatz kommt. Ist die Beschreibung zu schwammig oder auch zu einschränkend, bleibt der schönste Skill einfach liegen. Du fragst dich dann irgendwann, warum dein Brief-Helfer nie auftaucht, dabei wartet er nur auf ein Stichwort, das nie fällt.
Deshalb: Formuliere die Beschreibung so, wie du die Aufgabe wirklich anfragst. Nicht „verarbeitet formale Korrespondenz“, sondern „immer dann, wenn ich einen Brief an eine Behörde, Versicherung oder meinen Vermieter aufsetzen will“. Je näher an deiner Alltagssprache, desto zuverlässiger springt der Skill an. Claude wird dir schon eine Beschreibung vorschlagen. Es lohnt sich, hier genau zu schauen, ob die Beschreibung auf die geplante Anwendung passt und die möglichen Einsatzfälle abdeckt.
Und noch eine Regel aus der Praxis: EIN Skill, EINE Aufgabe. Wenn du beim Beschreiben dauernd „oder“ sagst, sind es in Wahrheit zwei Skills. Erst der Brief, später meinetwegen der Wochenbericht.
Ein guter Skill braucht ein Vorbild. Wenn Claude dich fragt, wie das Ergebnis aussehen soll, gibst du ihm am besten ein echtes Beispiel: einen gelungenen Brief, den du früher schon mal geschrieben hast. Daran orientiert sich der Skill viel genauer als an abstrakten Vorgaben.
Genauso kannst du deinen persönlichen Briefbogen als Word-Vorlage hinterlegen. Dann landet jeder Entwurf gleich im richtigen Layout, mit deinem Absender an der richtigen Stelle.
Ein Wort zum Datenschutz: Du musst Claude nicht deine halbe Lebensgeschichte anvertrauen. Lass persönliche Angaben wie Geburtsdatum oder Versicherungsnummer einfach als Platzhalter stehen, etwa „[Versicherungsnummer]“, und füll sie erst lokal im fertigen Dokument aus. Der Skill funktioniert trotzdem, und deine Daten bleiben bei dir.
Jetzt der Moment der Wahrheit. Schildere Claude eine echte, aber harmlose Situation: „Das Treppenhauslicht ist seit drei Wochen kaputt, ich habe meinen Vermieter zweimal angerufen, jetzt soll ein freundliches, aber bestimmtes Schreiben raus.“ Springt dein Brief-Skill von allein an? Dann sitzt die Beschreibung.
Der kleine Profi-Test: Frag einmal beiläufig (so wie eben) und einmal ausdrücklich („Nutze den Brief-Skill dafür“). Reagiert er auf beides, hast du alles richtig gemacht. Falls nicht, geh zurück in die Skill-Einstellungen und schärfe die Beschreibung nach. Skills werden erst im Gebrauch immer besser, nicht in der Planung.
Solange du deine eigenen Skills baust, bist du auf der sicheren Seite. Heikel wird es erst, wenn du fremde Skills installierst – die können nämlich Anweisungen, Dateien und sogar ausführbaren Code mitbringen. Bevor du einem fremden Skill vertraust, hak diese Punkte ab:
Quelle: Stammt der Skill aus einer vertrauenswürdigen Hand (selbst gebaut oder direkt vom Anbieter deines Vertrauens)?
Aus unbekannter Quelle weißt du nie, was wirklich im Skill steckt. Er kann versteckte Anweisungen oder Schadcode mitbringen, die im Hintergrund Daten abgreifen oder in deinem Namen Aktionen auslösen.
Reingeschaut: Hast du bei einem fremden Skill vorher geprüft, was er an Anweisungen, Dateien und Code enthält?
Ohne vorher hineinzuschauen, installierst du eine Black Box. Versteckte Befehle oder ein heimlicher Datenabfluss fallen dir dann erst auf, wenn der Schaden schon da ist.
Bekannte Ziele: Greift der Skill nur auf Internet-Adressen zu, die du kennst und nachvollziehen kannst?
Ruft ein Skill unbekannte Server im Netz auf, kann er unbemerkt deine Eingaben dorthin schicken oder ungeprüfte Inhalte nachladen. Im Zweifel lieber Finger weg.
Erst testen: Probierst du ihn zuerst mit harmlosen Beispieldaten aus, nicht mit echten?
Testest du gleich mit echten Daten, gibst du im Zweifel sensible Informationen an einen Skill, dessen Verhalten du noch gar nicht kennst. Erst mit harmlosen Beispielen prüfen.
Datensicherheit: Hältst du Passwörter, Zugangsdaten und sensible Finanz- und Gesundheitsdaten konsequent draußen?
Passwörter, Zugangsdaten und sensible Finanz- oder Gesundheitsdaten gehören nie in einen Skill. Landen sie dort, können sie kopiert, weitergegeben oder versehentlich offengelegt werden.
Die Grundregel bleibt: Je mehr Türen ein Skill aufschließen darf, desto besser solltest du wissen, wer ihn gebaut hat.
Das war’s. Dein erster Skill steht und meldet sich ab jetzt von allein, wann immer ein passender Brief ansteht. Willst du ihn an eine Freundin weitergeben, bittest du Claude, ihn dir als ZIP-Datei zu verpacken; sie lädt diese Datei dann einfach über ihre eigenen Skill-Einstellungen hoch. (Wer es ganz genau wissen will: Man kann einen Skill auch von Hand als Datei-Ordner bauen und als ZIP hochladen. Das ist der Weg für Bastler, für den Anfang brauchst du ihn nicht. Ich selbst habe bisher immer den einfachen Weg gewählt und alle Erweiterungen oder ergänzende Dateien Claude zum Einfügen in den Skill gegeben.)
Heute der Behördenbrief, morgen dann die Rechnungsvorlage, und übermorgen der immer gleiche Wochenbericht. Du erinnerst dich an die Faustregel aus dem Heft: Wenn du derselben KI dieselbe Aufgabe zum dritten Mal erklärst, solltest du daraus einen Skill machen. Jetzt weißt du, wie das geht. Viel Erfolg!

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